Im Calmont kraxeln wie in den Alpen
Liebe Weinfreunde, hier ein kleiner Artikel über den Klettersteig im Calmont. Er stammt aus der Feder meines Vaters. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Iris Franzen.
Festes Schuhwerk, Schwindelfreiheit und eine normale körperliche Kondition vorausgesetzt
Aus: Rhein-Zeitung von Rolf Goergen
Noch vor einiger Zeit wäre es fast einer mittleren Expedition gleichgekommen, das Felsenmassiv des „Calmont“ von Bremm bis Eller (oder umgekehrt) zu durchqueren. Schier unüberwindbare Felsenköpfe, Schiefersteinhalden, Brombeergewucher und andere Dornengewächse hätten das Weiterkommen nur schwer möglich gemacht. Jetzt ist alles anders.
Nach der Fertigstellung des Wanderpfades durch die beiden Gemeinden Eller und Bremm sowie Absicherungen an besonders schwierigen Passagen mit verzinkten Leitern, Handläufen, Zinken und Stufen, ist das Durchwandern des Calmont kein Problem mehr. Festes Schuhwerk, Schwindelfreiheit und eine normale körperliche Kondition reichen aus, um einen Einstieg in den Berg zu wagen. Der wechselvolle Pfad ist zwar gelegentlich schweißtreibend und, wie man sich denken kann, keinesfalls mit den Flanierwegen des Bertricher Kurparks zu vergleichen. Doch dafür wird man durch ein herrliches Panorama reich entschädigt.
Mehr als ein toller Blick
Es ist aber nicht allein der erhabene Blick über das Moseltal, über schroffe Rebenhänge und die zerklüftete Landschaft, der begeistert. Auch der Naturfreund, der seine Blicke im Umfeld des Pfades schweifen lässt, wird ins Schwärmen geraten und voll auf seine Kosten kommen.
Eine bunte Vielfalt an seltenen Gewächsen und Blüten, Käfern und Schmetterlingen sind allenthalben anzutreffen; auch Wildschweine, Rehe, Marder und Füchse fühlen sich in der warmen Südhanglage pudelwohl.
Der Calmont wird als die steilste Weinlage Europas bezeichnet. Wie steil der Neigungsgrad genau ist, scheint keiner präzise zu wissen; man hört oder liest unterschiedliche Angaben von 55 bis 70 Grad.
Die Rebfläche ist in den beiden letzten Jahrzehnten enorm zurückgegangen. Heute ist es kaum noch ein Drittel der Fläche, die früher einmal bis an die Niederwaldgrenze bebaut wurde. Hier liegt auch der Grund dafür, dass der „alpine Wanderpfad“ nur selten einmal quer durch einen bebauten Wingert verläuft.
Dennoch muss man an die Vernunft der Pfadbenutzer appellieren, diese Stellen so vorsichtig wie möglich zu passieren, um die Winzer nicht um den Lohn ihrer harten Arbeit zu bringen.
In unserer Freizeit klettern auch wir gern im Calmont.
Zurück