Text und Fotos von Rolf Goergen
Der Rote Weinbergspfirsich an der Mosel
Der Pfirsich (Prunus persica) aus der Familie der Rosengewächse stammt nicht, wie der botanische Name vermuten lässt, aus Persien. Der Ursprung ist Mittel- und Nordchina. Die ersten Kulturformen gelangten von China langsam westwärts nach Persien, Syrien und Armenien. Lucullus (117 v. Chr.) und Pompeius (106 v. Chr.) brachten angeblich Pfirsiche als Kriegsbeute aus Syrien und Armenien nach Rom. Von dort gelangten sie durch römische Soldaten über die Alpen nach Süddeutschland.
- Ein amerikanischer Botaniker berichtete bereits 1918 von über 3.000 Pfirsicharten. Ja, und eine davon ist wohl der Rote Weinbergspfirsich, der hier an der Mosel seit einigen Jahren eine regelrechte Wiedergeburt erlebt. Bekannt war er im Moseltal allerdings schon lange Jahre zuvor, was uralte, knorrige Baum-Strünke auf längst verlassenen, brachliegenden Terrassen eindeutig bekunden. Jedes Jahr im April fiel ihre aus dem Brombeergewucher herausragende markante Blütenpracht auf. Aber weil die Ernte in den verfilzten Brachen vielfach zu beschwerlich, teilweise auch unmöglich war, fielen die vollreifen Früchte später herab und vermoderten.
Besonders gefördert wird der Rote Weinbergspfirsich seit einigen Jahren in der Region der Terrassenmosel; sah man in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Frühjahr nur noch vereinzelte zart-rosa gefärbte Tupfer zwischen den noch kahlen Rebstöcken und Brachen leuchten, sind es heute begünstigt durch behördliche Förderprogramme und privaten Initiativen derer viele.
- An einer groß angelegten Pflanzaktion hat sich unser Weingut beteiligt. In der Extremsteillage Calmont haben wir neben Esskastanien, Mandel- und Feigenbäumchen auch etliche Weinbergspfirsiche gepflanzt, die fortan im März/April blühen und, so hoffen wir, alsbald Früchte tragen werden.
- Die Roten Weinbergspfirsiche hier an der Mosel nennt man sie auch Peeche sind für den rohen Verzehr eher ungeeignet. Das pelzige Äußere ist zäh und hat wohl auch viele Bitterstoffe. Doch als Mus, Konfitüre oder geschält und entkernt in Gläsern eingekocht, sind die Früchte ein Genuss. Auch als Kuchenbelag (Boden aus Rührteig) mit Sahnehäubchen obendrauf, kann man ihren Wohlgeschmack kaum übertreffen. Oder: In Rum eingelegte Pfirsiche, mit Vanilleeis und Sahne serviert, hauen jeden Genießer und Feinschmecker vom Hocker; nicht minder schmackhaft ist Pfirsichlikör.
- Auch bei Destillateuren unserer Region hat die rote Frucht einen hohen Stellenwert erlangt. In den Brennereien entstehen absolute Spitzenprodukte.
- Der Kreis hat sich geschlossen: Im Frühling ist der blühende Baum/Strauch eine Augenweide; die herbstlichen Früchte bereichern mit ihrem fruchtigen Geschmack den Frühstücks- und Kaffeetisch; und später dann geraten die Liebhaber feiner, fruchtiger Brände geradezu ins Schwärmen.
Resümee: Der Rote Weinbergspfirsich ist aus der moselländischen Weinkulturlandschaft kaum noch wegzudenken.
Hier finden Sie ein leckeres Rezept zum roten Weinbergspfirsich
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