Blauer Lattich

Text und Fotos von Rolf Goergen

Im Calmont wächst Felsensalat – der „Blaue Lattich“

Ab April wird der Calmont farbig. Neben dem Dauer-Grün von Buchsbaum und Efeu, erstrahlt nunmehr das reine Weiß der Dornengewächse, Felsenbirne und Vogelkirsche; später fällt dem Betrachter das Himmelblau des Natternkopfes, das kräftige Rosa der Pechnelke sowie das weithin leuchtende Gelb der Berberitze und Färberwaid besonders auf.
Darüber hinaus gibt es ein Gewächs, welches die Winzer ganz besonders ins Herz geschlossen haben, und das, obwohl sie den richtigen Namen der Pflanze lange Jahre gar nicht kannten. Hierbei handelt es sich um den „Blauen Lattich“, in Bremm besser bekannt als „Layezlot“ (Layensalat oder auch Felsensalat). Bei der Suche (in der Regel in der Osterzeit) dieser überaus schmackhaften und vitaminreichen Pflanze, soll es, so sagen alte Überlieferungen, zu tragischen Abstürzen gekommen sein. Demzufolge könnte man den „Blauen Lattich“ auch als das Edelweiß der Moselberge bezeichnen.

Die Standorte des „Layezlot“ wurden früher, als die Menschen hier an der Mosel noch sehr arm waren, äußerst geheim gehalten und, hin und wieder, regelrecht verteidigt. Experten in Sachen Felsensalat deckten die Pflanze gern mit einer Schieferplatte luftig ab und erreichten damit, dass der Salat am Ostersonntag appetitlich gold-gelb aus der Schüssel „strahlte“. – Ja, ja, wenn’s ums Essen geht, waren die Menschen zu allen Zeiten ausgesprochen kreativ und erfinderisch.
- Mancher in Ehren ergraute Winzer kennt durch mündliche Überlieferung seiner Altvorderen die ganz speziellen Plätze, an denen der begehrte Salat alljährlich im Frühjahr aus einer Trockenmauer oder Felsenspalte hervorlugt. Da er zeitgleich mit dem würzigen und gesunden Bärlauch geerntet werden kann, bietet es sich förmlich an, beide Pflanzen zusammen zu einem herrlichen Frühlingssalat anzurichten.
- Aber es ist ratsam, bei der Ernte des Felsensalates rücksichtvoll mit der Pflanze umzugehen; denn der „Blaue Lattich“ ist zwar nicht gesetzlich geschützt, gilt aber als selten. Und das ist er in der Tat! – Und noch was Interessantes: Der „Blaue Lattich“ wird in der Fachliteratur als Stammpflanze des Kopfsalats und des Krausen Salats erwähnt.